Können wir uns bitte einen Moment Zeit nehmen, um über Wonder Woman zu sprechen, den DC-Film, der aktuell mehrere Generationen und Frauen von überall auf der Welt inspiriert und alle Rekorde bricht? Dies soll keine Rezension zum Film sein, sondern ein Tribut. Denn ins uns allen steckt eine Wonder Woman und es ist an der Zeit, sie herauszulassen!

Die am 15. Juni in Deutschland angelaufene DC-Comicverfilmung Wonder Woman von Regisseurin Patty Jenkins ist seit 12 Jahren der erste Superheldenfilm mit einer Frau in der Hauptrolle  und der allererste, der je von einer Frau gedreht wurde. Die Comics über die Amazone Diana aus Themyscira, die an das Gute in den Menschen glaubt und dafür kämpft, gibt es seit mehr als 75 Jahren, doch kam Diana dieses Jahr zum ersten Mal auf die Kinoleinwand.

Ich werde an dieser Stelle die Handlung nicht weiter beschreiben. Wer den Film noch nicht gesehen hat, kann sich gerne hier den Trailer anschauen und sollte dann schleunigst ins Kino gehen. 😉

Überall auf der Welt werden derzeit Loblieder über den Film gesungen, der sämtliche Rekorde gebrochen hat. So erreichte er im „Tomatometer” der Rezensionswebsite Rotten Tomatoes, auf der im Netz veröffentlichte Filmrezensionen gesammelt und bewertet werden, ganze 97%. Wonder Woman ist außerdem der erfolgreichste Marvel oder DC- Superheldenfilm aller Zeiten und teilt sich den ersten Platz auf der Liste der besten Superheldenfilme mit Pixars Die Unglaublichen.
Schon am ersten Wochenende spielte der Film knapp 100 Millionen Dollar allein in den USA und knapp 200 Millionen weltweit ein und hält somit den Rekord für das erfolgreichste erste Wochenende nach Kinostart eines von einer Frau gedrehten Films. Zu guter Letzt ist es der Film, über den dieses Jahr am meisten getwittert wurde.

Frauen auf der ganzen Welt feiern diesen Film und sind berührt von dem, wofür er steht: Frauenpower. Aber auch viele Männer supporten den Film. Ich, als Action- und Superheldenfilm-Fan freue mich umso mehr, dass endlich eine Frau in der Hauptrolle eines solchen Films zu sehen ist und dass der Film deshalb auch Frauen anspricht, die sonst eher Romcoms vorziehen würden. Dieses internationale Phänomen vereint uns Frauen auf eine Weise, die es so noch nicht gegeben hat.

© Giphy, Inc / giphy.com

Na ja, leider wird Wonder Woman doch nicht überall gefeiert. Im Libanon wurde der Film verboten, da die Hauptdarstellerin Gal Gadot aus Israel stammt und die beiden Länder sich offiziell im Kriegszustand befinden. Gadot hat zwar in der israelischen Armee gedient, denn zwei Jahre sind in Israel für Männer und Frauen Pflicht, der Film selbst hat aber absolut nichts mit ihren Wurzeln oder dem Konflikt zwischen den beiden Ländern zu tun. Auch in Tunesien wurde der Film kürzlich aufgrund Gadots Herkunft verboten.

Und dann war da noch die Sache, dass sich einige Männer darüber beschwerten, dass in Austin, Texas ein Kino eine Wonder Woman Filmvorstellung nur für Frauen anbot. Und was genau ist so falsch daran, dass Frauen den ersten Superheldinnenfilm, der jemals von einer Frau gedreht wurde unter sich feiern wollen? Es gibt schließlich auch Männer-Themenabende oder Ladies Nights in deutschen Kinos, ganz ohne Beschwerden. Doch in Texas sind die gekränkten Männer sogar rechtlich dagegen vorgegangen.

Regisseurin Patty Jenkins wusste von Anfang an, auf welche Herausforderung sie sich einließ und wollte eine neue Sorte von Superheld(in) schaffen, die die Menschen berührt und sie daran erinnert, was wirklich wichtig ist: „Gott, es ist Zeit für eine neue Sorte Superheld”, sagte sie in einem Interview. „Ein Superheld zu sein, ist nicht leicht. … Es ist unglaublich kompliziert und wir müssen dafür zu besseren Menschen werden.”
Und sie fordert uns alle auf, zu Superheldinnen zu werden: „Wenn wir nicht alle selbst zum Helden werden, werden wir diese Welt nicht retten können, denn es wird niemand sonst kommen. Wir sind alle in der Verantwortung – besonders in Zeiten des Internets und des Aufeinanderprallens verschiedener Länder und Menschen – wenn wir keine Verantwortung übernehmen und uns selbst immer wieder herausfordern, liebevoller und bewusster mit unserer Macht umzugehen, denn wir alle haben Macht, dann werden wir diese Welt nicht retten.”

© Giphy, Inc / giphy.com

Und das Beste ist, dass hinter dem Erfolg des Blockbusters  eine ganze Reihe starker Frauen steht. Neben Gal Gadot und Patty Jenkins sind alle der für den Film gecasteten Amazonen richtige Powerfrauen im echten Leben. Darunter sind beispielsweise die amerikanische Crossfit-Gewinnerin Brooke Ence, die olympische Siebenkämpferin Jenny Pacey, oder die Profi-Boxerin Ann Wolfe.
Sogar die Vorbereitung auf die toughen Actionszenen haben die Frauen selbst in die Hand genommen, wie Ence in einem Interview berichtet: „Es ist echt cool, wenn man sich im Trainingsraum umschaut und keinen einzigen Mann sieht. Man sieht nur Frauen, die mit anderen Frauen wrestlen, kickboxen, Klimmzüge machen und mit dem Speer üben – all das wird in der wirklichen Welt sehr von Männern dominiert.”

Filme wie Wonder Woman aber auch The Hunger Games oder Divergent und Serien wie Outlander, mit einer starken Frau in der Hauptrolle, erinnern uns daran, dass wir Frauen stark und mutig, aber gleichzeitig auch liebevoll, einfühlsam und mitfühlend sein können. Und was haben all die genannten Filme/Serien gemeinsam? Es sind Buchverfilmungen. Es scheint, dass es zumindest in Büchern bereits viele starke Protagonistinnen gibt. Holen wir sie auf die Leinwand!

Es liegt zwar noch einiges an Arbeit vor uns, damit es in Zukunft viel mehr Filme von Regisseurinnen und mit Frauen in den Hauptrollen gibt, die auch ebenso gut bezahlt werden, wie ihre männlichen Kollegen, doch ist Wonder Woman ein Schritt in die richtige Richtung. Wir alle können unseren Teil dazu beitragen, denn in allen von uns steckt eben auch eine Wonder Woman.
Darum bin ich auch bin kürzlich dem Nornennetz beigetreten, einem Zusammenschluss verschiedener Autorinnen, die aus dem Bereich der Fantastik kommen und deutschsprachige Autorinnen aus diesem Genre sichtbarer machen möchten. Und ich bin davon überzeugt, dass wir das gemeinsam schaffen werden.
Wonder Woman glaubt, dass die Welt ein besserer Ort werden kann und das tue ich auch. Also, an die Arbeit!

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Anmerkung: Alle Interviewzitate von mir selbst aus dem Englischen übersetzt.

2 thoughts on “Warum in uns allen eine „Wonder Woman” steckt

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