Ihr alle habt sicher schon einmal vom Konzept des Speeddatings gehört, oder? Ein Raum voller Singles, jeweils ein Paar sitzt sich an einem Tisch gegenüber und lernt sich in wenigen Minuten so gut es geht kennen, bis die Zeit abgelaufen ist. Dann wird einen Tisch weitergerutscht und das Ganze geht wieder von vorne los. Dass es bei diesem Konzept nicht zwangsläufig darum gehen muss, den Partner fürs Leben zu finden habe ich auch erst lernen müssen. Wie wäre es denn stattdessen mit dem Verlag fürs erste Buch?

Am 26. März 2017 fand das Meet & Greet zwischen Autor und Verlag auf der Leipziger Buchmesse statt, das schon zum dritten Mal infolge vom Bundesverband junger Autorinnen und Autoren (BVjA) organisiert wurde. Dabei bekommen Autorinnen und Autoren die Gelegenheit, im Rahmen eines Speeddatings ihr Buchprojekt Verlagen und Literaturagenturen vorzustellen. Die Regeln sind simpel: Jeder Autor/jede Autorin darf maximal bei drei Verlagen jeweils 10 Minuten lang vorsprechen.

Sowohl die Verlage als auch die Autoren mussten sich zuvor online dafür anmelden. Als Autorin musste ich dafür mein Exposé einreichen und habe mir dann aus der Liste von insgesamt 14 Verlagen und einer Literaturagentur verschiedenster Bereiche und Genres drei Verlage ausgesucht, in deren Programm mein Manuskript passte.

Unter den Verlagen und Agenturen, die mitgemacht haben waren kleinere wie das Verlagshaus el Gato oder der Schweizer Verlag Sternensand und auch bekannte Adressen wie Carlsen, Ullstein und Amazon Publishing.

Wenn das Schicksal an die Tür klopft…

Dass der 26. März 2017 der entscheidende Tag für mich auf meinem Weg zum Verlagsvertrag werden sollte, konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen.

Erfahren hatte ich von diesem tollen Event über den Newsletter der Autorenwelt und irgendwie muss ich es doch geahnt haben, dass es etwas Wichtiges für meinen Werdegang bedeuten könnte, denn mein Herz klopfte mir bis zum Hals als ich die Anzeige sah.

Zuerst hatte ich Versagensangst. Für mich als schüchterne Person ist so ein Speeddating schon eine riesige Herausforderung. Tatsächlich stellt man nicht nur sein eigenes Werk, sein „Baby“, vor, an dem man jahrelang im stillen Kämmerlein gearbeitet hat, sondern auch sich selbst als Person und Autorin.

Unter die Angst zu versagen, mischte sich aber auch Aufregung und ein starker Ehrgeiz. Wie hätte ich so eine riesige Chance ungenutzt an mir vorbeiziehen lassen können?

Panik vor dem Pitchen

Wer mich kennt, weiß, dass ich mich natürlich akribisch auf das Meet & Greet vorbereitet habe. Hey, Vorbereitung ist alles, oder? Ich feilte an meinem Exposé, druckte die ersten 30 Seiten meines Manuskripts als Leseprobe aus und ließ mir sogar Visitenkarten für den Anlass drucken. Doch hatte ich den Pitch unterschätzt, der mir beinahe alles versaut hätte.

Wer schon einmal etwas von mir gelesen hat, weiß, dass ich Schwierigkeiten habe, mich kurzzufassen. Und beim Pitch muss man genau das tun: sein komplettes Werk (in meinem Fall ca. 740 Normseiten) in zwei bis drei Sätzen zusammenfassen.

Das Prinzip des Pitchens ist einfach. Hans Peter Roentgen beschreibt es in seinem wunderbaren Buch „Drei Seiten für ein Exposé“ so: „Sie treffen zufällig einen Verleger im Fahrstuhl und haben genau eine Minute Zeit, ihm Ihre Geschichte vorzustellen. Bevor er aussteigt, müssen Sie ihn überzeugt haben.“ Der Pitch bringt also so knapp wie möglich auf den Punkt, was das Besondere am eigenen Buch ist. Mein persönlicher Albtraum!

Aber da musste ich durch und so kam ich dann am 26. März mit vor Angst schlotternden Knien, bewaffnet mit all meinen perfekt vorbereiteten Exposés, Leseproben, Visitenkarten und dem Pitch in einen großen Raum voller leerer Tische und Stühle, die sich langsam füllten. Augen zu und durch, dachte ich mir nur und dann begann der Wahnsinn auch schon.

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Im Gespräch mit einer Verlagsvertreterin. © Claudia Schnell

Im Nachhinein erscheinen mir die drei Speeddates wie ein Traum. Alles verschwimmt ein wenig in meiner Erinnerung und die drei Begegnungen werden zu einer. Dreimal habe ich selbstbewusst meinen Pitch vorgetragen, dreimal in aufmunternd lächelnde und nickende Gesichter geschaut, die interessierten Fragen beantwortet und mich kein einziges Mal blamiert. Alles ging so schnell vorbei und ich blieb vollgepumpt mit Adrenalin und ziemlich stolz auf mich selbst zurück.

Das Warten auf eine Antwort der Verlage war eine Qual. Zwei bis drei Wochen kann es dauern, wurde mir gesagt. Aber ich hatte Glück und habe schon nach zwei Wochen eine Antwort bekommen – die erste Erfolgsnachricht des diesjährigen Meet & Greet.

Macht mit!

Für alle da draußen, die ihr Buch gerne veröffentlichen würden und wissen, wie schwer es ist, Kontakt mit einem Verlag oder einer Agentur aufzunehmen, kann ich diese Alternative nur empfehlen. Man muss zwar über den eigenen Schatten springen und sich gut vorbereiten, aber es kann so viel daraus entstehen. Beim Meet & Greet 2016 sind ganze 19 Verlagsverträge zustande gekommen und ich bin gespannt, wie viele Erfolge dieses Jahr noch verzeichnet werden.

An dieser Stelle möchte ich ein dickes Lob an den BVjA aussprechen, der alles so toll organisiert hat und uns jungen Autoren jedes Jahr aufs Neue diese einmalige Chance bietet. Und natürlich ein großes Dankeschön an die Leipziger Buchmesse als Austragungsort.

Am 18. März 2018 findet das vierte Meet & Greet auf der Leipziger Buchmesse statt. Ich drücke allen Teilnehmern jetzt schon ganz fest die Daumen!

Wertvolle Tipps zur Vorbereitung findet ihr hier in einem Blogeintrag der Federwelt von Nils Dorenbeck.

Und wer weiß, vielleicht bin ich nächstes Jahr dann auch mit meinem nächsten Buch am Start! 😉

One thought on “Speeddating – so findet man heute den perfekten Partner (ähm, Verlag)

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